Die Sendung wurde am 1. Oktober 2008 von 15:00-16:00 im Offenen Kanal Bremen (RadioWeser.tv) Radio ausgestrahlt und ist als Podcast in den Formaten MP3 und OGG verfügbar.
Dabei waren: Sebastian Raible (Sendeverantwortlich), Dirk-Lüder Kreie, Henning und Jan.
Die Playlist (die letzten Songs sind Füller bis zu den Nachrichten, sie werden also schlimmstenfalls verkürzt oder gar nicht ausgestrahlt, im Podcast werden sie voll gespielt):
- Jakob Bienenhalm - Ich will dein Regal - by-nc-nd/2.0/de
- Binärpilot feat. Impakt: (Gesouble) Gesutch - by-nc-nd/3.0
- Downliners Sekt - Point Omega vom Album The Saltire Wave - by-nc-nd/3.0
- LES CULS IVRES - un meilleur lendemain vom Album LES CULS IVRES - by-nc-nd/3.0
- delgarma - I hag vom Album que vive l'industrie - by-sa/2.0
- Bundestag United - Grundrechtsterror - by/2.0/de
- pornophonique - space invaders (procacci remix) - by-nc-nd/2.0/de
(Ich will dein Regal)
(ÜS-Jingle)
Sebastian Raible: Überwachungsstadl - das ist das Chaosradio des CCC
Bremen und wir wollen in Zukunft regelmäßig für euch da sein mit ner
Radiosendung im Offenen Kanal beziehungsweise RadioWeser.tv Radio und
über einen Podcast.
Den Podcast und Informationen zur Sendung gibt es auf ueberwachungsstadl.de - das
schreibt man wie Überwachungsstadl mit UE und am Ende mit DL Punkt
DE.
Informationen zum CCC Bremen gibt es auf ccchb.de.
Ich bin heute nicht allein im Studio denn wir haben ein Thema für diese
Sendung. Das Thema heisst OpenStreetMap und dazu habe
ich mir Dirk-Lüder Kreie eingeladen. Dirk-Lüder ist der erste
OpenStreetMapper in Bremen gewesen, dazu wird er uns gleich was sagen.
Außerdem sind Henning und Jan vom CCC Bremen da und die sagen jetzt
einfach mal "Hallo".
Jan: "Hallo"
Dirk-Lüder: "Hi"
Henning: "Hi"
Ja, das waren sie jetzt alle gemeinsam. Dirk-Lüder, fangen wir mit dir
an:
OpenStreetMap ist, wenn ich das richtig verstehe, so ähnlich wie Google
Maps. Also eine Online-Weltkarte. Nur dass es so ähnlich wie die
Wikipedia funktioniert - nämlich: Jeder kann an den Kartendaten
mitarbeiten und selber welche beitragen. Wie Funktioniert das?
Dirk-Lüder: Ja also die grundlegende Art, bei OpenStreetMap mitzumachen ist einfach, sich ein GPS zu schnappen, das so einzustellen, dass es den Track aufnimmt wo man langgelaufen ist und diese Informationen kann man dann hinterher bei OpenStreetMap hochladen und bearbeiten.
S: Und das heisst ich gehe mit nem GPS-Empfänger irgendwo durch die Straßen und merke mir die Straßennamen? Oder wie machst du das, wenn du dir jetzt an einem Sonntag nimmst und raus gehst vor die Tür - dein GPS-Gerät im Rucksack - und mappst? Wie läuft das, wie sieht so ein Sonntag aus bei dir?
D: Also ich schnappe mir mein GPS wie schon gesagt, dazu nehme ich mir
einen Notizblock mit weil ich kann mir das nicht alles merken was ich
auf dem Weg erfassen möchte. Das bleibt nicht nur bei Straßennamen
sondern auch Briefkästen oder Telefonzellen oder Kneipen oder was auch
immer für eine Karte interessant ist, wird aufgenommen.
Wenn ich wieder zuhause bin, wird das ganze einfach in einem Editor
bearbeitet. Da wird dann der Track reingeladen, die Straßen in denen
ich langgelaufen bin, werden einfach nachgezeichnet und die
entsprechenden Informationen per Tags drangeschrieben.
S: Das heisst, was für so eine Karte interessante Informationen sind,
das bestimmst in dem Moment du selbst, weil du durch die Straßen gehst
und du bestimmst, welche Wege du einträgst.
Du hast ja in Bremen angefangen zu mappen - in Bremen gibt es dann
wahrscheinlich lauter kleine Abkürzungen, irgendwelche Trampelpfade...
Die sind dann auch mit eingetragen in OpenStreetMap oder wie?
D: Ja das stimmt. Es werden nicht nur Straßennamen aufgenommen, auch wenn das Ding OpenStreetMap heisst, sondern es wird eigentlich alles aufgenommen was für mehr als eine Person von Interesse ist und irgendwie mit Geo-Koordinaten zu verbandeln ist. Also wirklich alles, woran der Mapper Interesse hat. Der gemeinsame Nenner ist natürlich die Straße, weil sich an einem Straßennetz hinterher auch unheimlich viel aufhängen lässt. So kann man heute in Bremen, wo schon viele Straßen erfasst sind, also auch ohne GPS klarkommen wenn man eben sagt: "Oh ich weiss, an der Kreuzung da ist der Briefkasten oder die Telefonzelle nicht eingetragen", dann kann ich das auch so machen ohne dass ich ein GPS habe.
S: Das heisst ihr habt da wirklich Briefkästen und Telefonzellen mit eingetragen?
D: Ja unter anderem - es sind auch teilweise WLANs drin, es sind aber nicht genug Mapper da, die sich dafür interessieren. Aber es gibt einen Grund-Konsens, was so in der Karte erfasst wird. Das sind erstmal Straßen, Fußwege und Fahrradwege und als Points of Interest eben alles was mit Post zu tun hat: Paketboxen, Packstationen, Briefkästen, Postämter und so weiter.
(S: Ja.)
D: Und natürlich auch Läden, also der Aldi an der Ecke oder der Rewe oder...
S: ..oder meine Lieblingsdisko?
D: Zum Beispiel auch das, ja: Diskotheken, Kneipen...
Bei den Engländern.. das war der erste Point of Interest (PoI)
überhaupt, die Kneipe. Also es gab erst mal Straßen, Fußwege
und dann die Kneipen. Und das wurde erfasst. So haben die Engländer vor
viereinhalb Jahren angefangen.
S: Cool.. Ja wie hat das überhaupt angefangen, ich meine: Hat da jemand komplett neu angefangen, die ganze Erde zu vermessen? Oder gab es da irgend eine Grundlage an Daten, auf der man aufgebaut hat?
D: Also es gibt eine "VMap0", das sind so ein paar sehr, sehr grobe Kartendaten, die es von den USA aus gibt. Diese Straßenkarten sind allerdings nicht zu gebrauchen, dafür hat man die Küstenlinien übernommen sodass man die Kontinente schon mal drin hatte. Der Rest ist sozusagen "von ground up" gemacht worden.
S: OK, das heisst also wirklich von Leuten aufgezeichnet, die durch die Straßen gegangen und mit dem Fahrrad gefahren sind und dann in OpenStreetMap eingetragen haben.
D: Richtig, zwischendurch gab es dann noch erfolgreiche Importe, zum Beispiel vom TIGER-Projekt , das ist in den USA. Die haben da ein Gesetz das besagt: Was von der föderativen Regierung gemacht und mit Steuergeldern bezahlt ist, ist automatisch in der Public Domain. Darunter fällt auch dieser TIGER-Datensatz, der sämtliche Straßen und County-Grenzen und so weiter in den USA hat - allerdings keine PoI.
S: OK, das ist ja interessant. [Anm. d. Red.: Ich war mit Musik beschäftigt und habe nicht richtig zugehört.] Ähm, genau, was wollte ich fragen, ich wollte fragen: Wann hat das angefangen? Ich glaube es ist nämlich noch gar nicht so lange her oder?
D: Nee das ist jetzt ungefähr viereinhalb Jahre her, dass OpenStreetMap
gegründet worden ist . In England - mal ausnahmsweise nicht in den
USA oder Silicon Valley... Es war ein Engländer, der mit den Preisen der
öffentlichen Mapping Agency, der Ordenance Survey einfach nicht
einverstanden war. Und er hat gesagt: Für den Preis, den die da für
Kartenlizenzen verlangen, mache ich es einfach selber.
Und er ist halt ausgezogen, die Welt zu vermessen sozusagen.
S: Cool. [Anm. d. Red.: s.o.] Das ganze basiert auf Daten, die unter
einer bestimmten Lizenz stehen, damit man sie auch weiterverwenden kann.
Also beispielsweise könnte ich ja jetzt ne OpenStreetMap-Karte aus
meiner Gegend aussuchen, die auf meine Webseite packen - das
kann ich einfach so machen, weil sie unter einer bestimmten Lizenz
steht.
Welche Lizenz genau ist das? Und heisst das auch, ich kann das in einem
Buch abdrucken?
D: Also die Lizenz ist Creative Commons Sharealike 2.0
(by-sa/2.0). Das bedeuetet, dass jedes abgeleitete Werk wieder
unter einer komatiblen Lizenz - also bestenfalls by-sa/2.0 - stehen
sollte. Oder muss, bessergesagt. Das ermöglicht halt viele Anwendungen,
die man zum Beispiel mit Google Maps gar nicht machen kann.
Schon wenn man eine Anfahrtsskizze von Google Maps auf seine
Firmenwebsite packt oder das irgendwie kommerziell nutzt, sitzt man sehr
schnell vor Gericht oder kriegt zumindest ein Schreiben von einem
Anwalt, der einem das abmahnt.
S: OK, ich glaube wir machen erstmal Musik.
(Gesouble Gesutch)
S: Die Musik, die ihr hört, ist übrigens allesamt unter Creative Commons
. Creative Commons erklären wir vielleicht irgendwie in einer
späteren Sendung mal, ich glaube, dazu ist die Zeit zu knapp - aber auf
jeden Fall könnt ihr sie alle runterladen. Links dazu findet ihr auf
ueberwachungsstadl.de.
Dirk-Lüder, wir haben gerade eben davon geredet, wie du jetzt an einem
Sonntag einfach raus gehst und die Straßen in deiner Stadt einträgst. Du
hast also dein Geodaten-Mapping-Tool, deinen GPS-Empfänger im Rucksack
stecken, schreibst die Straßennamen auf und trägst die jetzt auf die
Online-Weltkarte ein - wie funktioniert das?
D: Ja, es gibt also erst mal zwei Möglichkeiten: Die eine ist der Online-Editor auf openstreetmap.org, der nennt sich Podledge , da klickt man einfach auf das Edit-Tab und kann dann loseditieren. Das ist dann live in dem Moment automatisch in der Datenbank, an dem man die Daten sozusagen loslässt, also deselektiert. Das wird dann beim nächsten Render-Durchlauf automatisch auf die Karte eingetragen.
S: Also es ist nicht sofort online sondern...
D: ...also es ist schon sofort online in dem Sinne, dass andere Editoren sehen, was man gemacht hat. Aber es ist nicht sofort auf der Weltkarte zu sehen, weil die erst gerendert werden muss. Das passiert eigentlich ein Mal in der Woche.
S: Das heisst die Bilder, die man da wirklich sieht, sind vorgerendert, also irgendwie fertige PNGs oder...
D: Ja, das sind PNG-Kacheln...
(S: Ah ja.)
D: ..die in einer Google-kompatiblen Projektion berechnet sind, das
heisst wenn man irgendwie schon mal ein Google-Map-Up irgendwo auf
seiner Seite hat, kann man diese Kacheln direkt dazu einbinden ohne
dass es da irgendwelche Versätze gibt. Ja. Es sind PNG-Files.
Aber eigentlich wollte ich..
S: ..wollte ich gerade wieder drauf zurück kommen, entschuldigung..
D: ..zum zweiten Editor was sagen:
Der zweite Editor ist der Java OpenStreetMap Editor oder JOSM, das
ist ein Offline-Editor. Das bedeutet, man lädt sich die Daten von den
Bereichen, die man bearbeitet hat runter, macht seine Änderungen da dran
- also trägt ein was neu ist, was man neu erfasst hat bei seinem Trip
und lädt sie dann wieder hoch. Das ist sehr komfortabel in diesem
Editor, dass man, wenn man statt eines Notizblocks zum Beispiel eine
Digitalkamera genommen hat, diese Bilder, die alle eine Uhrzeit von der
Kamera mitkriegen, mit dem GPS-Track verbinden.
Das GPS zeichnet jede Sekunde etwas auf, speichert die Satellitenzeit,
die bei GPS immer automatisch abfällt, das synchronisiert man dann ein
Mal mit seiner Kamera und dann taucht an der Seite des Tracks
automatisch zu den entsprechenden Punkten das entsprechende Bild auf.
Und dann weiss man, wenn man jetzt ein Straßenschild fotographiert hat
- beispielsweise H.-H.-Meyer-Allee , dass genau an der Ecke
die HH-Meyer-Allee anfängt.
S: Cool, das ist also gar nicht so schwer, Daten dort einzutragen.
Ich stelle es mir trotzdem ein bisschen komplizierter vor, als jetzt auf
die Wikipedia zu gehen, irgendwie auf "Bearbeiten" zu klicken und einen
Artikel zu bearbeiten weil ich muss ja doch einige Arbeitsschritte
machen, ich muss irgendwie die Bilder angucken oder die Notizen, die ich
mir auf meinem Block gemacht habe, ich muss die GPS-Daten dann irgendwie
auf die Zeit synchronisieren [Anm. d. Red.: Ich muss meine Frage auf die
zuvor gegebene Antwort synchronisieren ;)], ich muss das irgendwie alles
eintragen - das sind ziemlich viele Arbeitsschritte oder nicht?
D: Also wenn ich eine gute Ortskenntnis habe, zum Beispiel in Bremen -
oder besonders in Bremen - hat OpenStreetMap eine schöne Erleichterung
: Yahoo hat uns nämlich Luftbilder gesponsert bzw. uns erlaubt,
davon Karten zu erstellen und sie unter unserer eigenen Lizenz
weiterzuvertreiben. Wenn man also im Online-Editor arbeitet, hat man
automatisch als Hintergrund diese Luftbilder und kann halt davon die
Straßen direkt abzeichnen, das sind simple Mausklicks aus denen dann
automatisch die Linien erzeugt werden.
Am besten, man probiert das einfach mal aus. Es gibt einen Übungsmodus,
das wird dann nicht automatisch gespeichert und dann trägt man einfach
den Namen und so weiter als Tags ein.
Das sind Freiform-Tags, das sind immer Key-Value-Paare, also man gibt
einfach ein "highway" und zum Beispiel "residential" für eine
Wohnstraße. Die Tags sind auf englisch - das ist irgendwann mal so
beschlossen worden, muss aber nicht in alle Zukunft so bleiben.
S: In der Wikipedia gibt es ja schon Geodaten zu bestimmten PoI, also Lieblingskneipe zum Beispiel. Könnte man nicht einfach diese Daten jetzt nehmen und in OpenStreetMap eintragen?
D: Also da gibt es erst mal zwei Probleme: Erst mal ist die Grundlizenz
der Wikipedia nicht mit by-sa/2.0 - was ja die Lizenz von
OpenStreetMap ist - kompatibel.
Und das zweite ist, dass potentiell die Geodaten, die in der Wikipedia
drin sind, meistens von Google Maps abgekupfert bzw. aus Google Maps
entnommen sind und demenstprechend möglicherweise rechtliche
Konsequenzen haben könnten, wenn man daraus jetzt wieder eine Karte
baut.
S: Weil Google ein Anrecht auf seine Daten hat und weil sie dafür bezahlt haben, wo sie diese Geodaten her gekriegt haben und so weiter.
D: Ja und da solche Geodaten sehr sehr teuer sind, verdienen Anwälte da sehr viel Geld damit.
S: Und OpenStreetMap tritt dann sozusagen als Wettbewerber von Google auf in dem Segment.
D: Eigentlich sind wir kein Wettbewerber von Google und auch Google
sieht das nicht so. Wir sind eher ein Wettbewerber von Teleatlas und
NavTec , das sind die beiden großen Geodaten-Vertreiber oder
-Sammler auf dieser Welt. Wenn man heutzutage ein Navi im Auto hat, sind
da auch die Daten von NavTec und Teleatlas drin und auch Google benutzt
die für seine Daten.
Google ist durchaus daran interessiert, irgendwann mal mit OpenStreetMap
zusammenzuarbeiten, aber die wollen erst mal abwarten bis wir noch ein
bisschen mehr der Welt erfasst haben.
S: Was du grade gesagt hast, ist ein ganz interessantes Stichwort, du
hast gesagt "was in Routing-Appliances drin ist".
Gibt es schon Appliances - also das heisst Geräte in denen
Routing-Software drin steckt und die du dir ins Auto packen und dann
damit rumfahren kannst - die OpenStreetMap-Daten benutzen?
D: Also Appliances so direkt noch nicht aber es gibt jede Menge freier Software, die sich natürlich auf diese freien Geodaten stürzt und da gibt es auch schon einiges an Routing-Software, die mit OpenStreetMap arbeiten kann.
S: Also im Moment nehme ich meinen eeePC, packe ihn mir ins Auto und fahre damit durch die Gegend.
D: Ja das kann auch ein Handy sein, es gibt auch schon für Windows Mobile und so weiter Tonnen von Applikationen, wo man zumindest die Karten darstellen kann aber auch Routing machen kann.
S: Es gibt auch mindestens eine Applikation in der man unter Linux so was ähnliches wie Google Earth machen kann, das Teil heisst marble und gibt's für KDE. Da sind soweit ich weiss auch OpenStreetMap-Daten mit drin und die kann man sogar offline benutzen, wäre das dann irgendwie anzubinden an einen GPS-Empfänger? Weisst du, ob das im Moment schon geht?
D: Ich habe leider keine Ahnung ob marble schon mit GPS zusammenarbeitet aber theoretisch steht dem nichts im Wege. Ich gehe davon aus, dass marble irgendwo eine API haben wird wo man dem einfach mal eine Geo-Koordinate reinschmeissen kann und wo der dann einfach drauf zentriert oder vielleicht noch einen kleinen Marker anzeigt. Insofern wäre das nicht weiter schwierig. Aber es gibt genug andere Software, die auch mit den OSM-Kacheln bzw. mit den fertig gerenderten Karten-Tiles arbeitet oder eben direkt mit den Vektordaten von OSM.
S: Henning, du hast uns Musik mitgebracht. Möchtest du die grade selber kurz ankündigen?
Henning: Ich gehe mal davon aus, dass du jetzt Downliners Sekt spielen würdest, mir ist der Liedtitel allerdings in dem Moment nicht bekannt.
S: Point Omega ist der Liedtitel und hier sind Downliners Sekt.
(Point Omega)
S: Das war Downliners Sekt - von Henning mitgebracht. Könnt ihr
auch runterladen, wird es im Blog auf jeden Fall auch geben.
So. Wir haben grade eben kurz über die Anwendung von OSM-Daten in
Routing-Software geredet. Was jetzt mit OSM möglich ist, was Google Maps
beispielsweise nicht anbietet, sind Spezialkarten. Zum Beispiel gibt es
die Möglichkeit, sich Fahrradkarten zu erstellen - Dirk Lüder, erzähl'
uns was dazu.
D: Ja also nicht nur das aber.. das schöne bei Google ist, wenn man da
irgendwelche Änderungen oder irgendwelche Annotationen auf die Karte
bringen will, bleiben einem nur diese Mash-Ups wo man dann diese kleinen
Marker drauf tut und sagt: "Hier ist dieses und jenes".
Bei OSM hat man die Rohdaten zur Verfügung und kann natürlich dann durch
eigene Renderer-Regeln eigene Karten erzeugen. Und da gibt es einen
netten Herren in England, der auf seinem eigenen Server eine komplette
Fahrrad-Karte errechnet - komplett auch mit Höhenlinien und so weiter.
Straßen wie Autobahnen, wo kein Fahrradfahrer drauf kann, sind dann
völlig ausgegraut und treten in den Hintergrund. Dafür sind dann
die Fahrradrouten, also beispielsweise die National Cycle Network-Routen
prominent hervorgehoben.
S: Ich möchte gleich noch mal darauf zurück kommen, was du grade gesagt
hast, nämlich: Höhenlinien.
Aber vorher: was gibt es noch für andere Spezialkarten?
D: Also es gibt noch OpenPistMap OpenPisteMap, das sind also Skipisten, die
eben auch in OSM drin sind oder da drin erfasst werden, wo dann eben für
die Alpen solche Karten gerendert werden, wo dann Pisten drin sind mit
ihrer Schwierigkeit und so weiter und so fort.
S: Und auch mit Skiaufzügen (oder wie die Dinger..) Skiliften..
D: Ja klar, mit Skiliften und natürlich auch mit Hütten und wo man schön zum Apres-Ski hin kann und solche Geschichten.
S: Super. Noch mal darauf zurück - da sind wir ja eigentlich genau beim Thema: Berge. Sind Höhendaten auch in OSM verzeichnet?
D: Nicht direkt in OSM, das Problem liegt darin, dass Höhenmodelle sehr schwierig sind. Allein für Deutschland gibt es schon zwei offizielle - das eine ist die Höhe über Normal-Null, die jeder kennt und dann noch das Höhen-Normal. Da möchte ich jetzt aber nicht weiter drauf eingehen, das wäre mehr als eine spezielle Sendung .
S: Aber es gibt die Möglichkeit, solche Höhendaten zumindest irgendwie mit OSM zu mashen?
D: Ja, das auf jeden Fall. OSM benutzt ja das GPS-Datenmodell, also was auch anderen Projekten zugrundeliegt, die zum beispiel von den Amis gesponsort sind: Da gibt es die Shuttle Radar Topology Mission..
S: SRTM..
D: ..SRTM, genau, das ist der SRTM-Datensatz, der mit einer ziemlich guten Auflösung über die gesamte Erdoberfläche oder zumindest der gewohnten Erdoberfläche sehr gute Höhendaten liefert. Und die kann man problemlos mit OSM überlagern und hat dann aus der 2D-Karte OSM plötzlich ein 3D-Modell zur Verfügung.
S: Das erfordert ja aber auch eine besonders gute Datenbasis, damit wirklich eine Überlagerung mit diesen besonders genau aufgezeichneten SRTM-Daten funktioniert. Wie genau ist jetzt OSM, wie genau sind die OSM-Daten im Vergleich zu - ja, ich kann leider immer nur das eine Beispiel bringen: - Google Maps?
D: Die OSM-Daten sind halt meistens von GPS aufgenommen, haben
also wenn da nur ein Track drauf ist die selbe Genauigkeit wie GPS. Also
10 Meter Abweichung. Wenn dann mehrfach drüber geguckt worden oder von
Luftbildern aus abgekupfert worden ist, ist durchaus eine höhere
Genauigkeit zu erwarten, die dann genau gleich ist wie die von Google
Maps weil die nämlich die selben Quellen benutzen - also GPS und
Luftbilder.
Das andere Problem, das man mit Google hat ist, dass da teilweise
faktische Fehler drin sind. Also nicht was die Position einer Straße
anbelangt sondern eher solche Informationen wie "Darf ich da
durch fahren?" oder manchmal sind auch Straßen in Google drin, die es
gar nicht gibt in der Realität.
Das ist eine Schutzmaßnahme von Teleatlas und NavTec damit niemand deren
Daten kopiert. Weil Geodaten sind Fakten. Fakten sind eigentlich nicht
"copyright"-bar, höchstens über das Datenbank-Recht, jedenfalls in
Europa.
Deswegen baut man absichtlich kreative Werke ein - nämlich Fehler um
dann eben solchen Leuten, die das abkupfern auf die Schliche kommen zu
können.
Diese Fehler ziehen sich natürlich durch alle abgeleiteten Werke, also
dann schließlich auch Google Maps, konsequent durch.
Und das sind nicht wenige Fehler, also in Bremen kriegt man auf einen
Quadratkilometer schon mal zehn, zwölf Fehler, die also durchaus
signifikant sind. Da kann jeder mal gucken wo er sich genauer auskennt
und die Karte genau unter die Lupe nehmen, ob er da nicht nen
Straßennamen findet, der völlig daneben ist oder irgend eine
Straße, die es da angeblich gibt, die aber in Wahrheit nur ein
Fahrradweg ist oder so etwas in der Richtung.
S: Wobei jetzt wo wir hier grade sitzen im Offenen Kanal, da ist weder auf Google Maps noch auf OSM wirklich der Weg zum Plantagenhof eingezeichnet.
D: Ich bin hier in dieser Ecke noch nicht so aktiv gewesen, glücklicherweise bin ich nicht der Einzige, der hier in Bremen die Karten aufnimmt - das wird sich natürlich nach dieser Sendung ändern.. (lacht)
S: ..natürlich! Das hoffen wir!
D: ..aber die Einfahrt zu diesem Hof ist einfach so unscheinbar dass wahrscheinlich kein Mapper auf die Idee gekommen ist, da mal kurz rein zu gucken.
S: Dabei ist der OK ja nicht gerade ein Ziel, was für Leute, die in dem
Bereich tätig sind, uninteressant wäre.
Wie kann man dich kontaktieren? Wie kann man hier in Bremen aktiv werden
als OSM-Mapper?
D: Einerseits, wenn man OSM-Mapper in Bremen finden möchte, ist es das einfachste, sich auf OSM anzumelden und seine sogenannte Home-Location zu setzen. Da ist so eine kleine Karte auf der User-Homepage, da macht man einen Pin drauf und schwupps kriegt man die nächsten zehn Mapper, die also auch ihre Home-Location gesetzt haben, angezeigt auf dieser Karte.
S: (lacht) Also auf der Website openstreetmap.org.
D: Richtig.
S: Ich hab bloß grade gelacht, weil ich das lustig finde, dass man, sobald man sein eigenes Datum angibt, weiss, wo andere Leute wohnen. Aber hoffentlich pseudonymisiert und nicht direkt personenbezogen.
D: (lacht) Also zum Thema der Sendung.. das ist natürlich freiwillig, auch die Genauigkeit der Angabe ist freiwillig - also man kann durchaus mal daneben klicken, man kann ja behaupten: "ich wohne da und da", aber man wohnt da gar nicht. Natürlich kann man das auch missbrauchen, um die ehrlichen sozusagen nach und nach abzugrasen, indem man seine Home-Location ständig umsetzt und die nächsten zehn Mapper raussucht. Aber die Mapper sind natürlich nur Pseudonyme auf dieser Seite.
S: Es gibt auf jeden Fall die Möglichkeit, wenn ich mich angemeldet habe
auf openstreetmap.org, dass ich gucke, wo sind die nächsten Mapper und
wo sind in meiner Gegend überhaupt schon welche. Aber das sieht man
wahrscheinlich auch schon an den Kartendaten, die schon existieren.
Aber ihr trefft euch auch ab und zu mal in real life oder
nicht?
D: Ein Mapper-Treffen ist leider erst im Aufbau, bis jetzt benutzen wir den Chaos Computer Club mit seinen Räumlichkeiten..
S: Oh. [Anm. d. Red.: Ich bin überrascht, das wusste ich ja gar nicht!] Unser Treffen.
D: (lacht) Ja richtig - alle zwei Wochen Dienstags, ne, schön.
S: (lacht) Sehr gut. Zwanzig Uhr, Sophienstraße.
D: ..was einfach daran liegt, dass ich halt da bin und gesagt habe: "So
Jungs, wenn ihr mich treffen wollt, ich bin beim CCC-Treff."
Da wir aber jetzt schon ein paar mehr sind, die sich regelmäßig treffen,
einen eigenen Termin. Da sind auch gerne Vorschläge für eine Örtlichkeit
willkommen.
S: Und ihr trefft euch dann auch um gemeinsam irgendwelche Gegenden zu besprechen, in denen ihr gezielt mappen wollt?
D: Ja zum Beispiel. In Bremen sind es im Moment zwar viele Mapper, die
irgendwas eingetragen haben aber es gibt halt keine wirklichen Grenzen
so nach dem Motto dass jemand sagt: "bis dahin mappe ich und weiter will
ich eigentlich nicht". Damit dann halt jemand sagt: "OK, dann mappe ich
bis dahin komplett", um halt solche weißen Flecken zu verhindern, die
man eigentlich gar nicht so sieht weil man nicht weiss, dass da
in Wahrheit eine Straße ist, wenn man sich die Karte anguckt.
Was ich noch zu der Kontaktmöglichkeit über OSM sagen wollte: Wenn man
dann diese User hat, gibt es auch ein Messaging-System auf der
Seite..
(S: Achso! [Anm. d. Red.: Nix gespielt diesmal ;)])
D: ..das heisst sobald ich den OSM-Usernamen habe, kann ich den auch direkt dadrüber kontaktieren.
S: Ja man merkt, dass ich noch keinen OSM-Usernamen habe, es tut mir
sehr leid, werde ich nachholen.
Okay, ich glaube wir haben erst mal ganz schön viele
Informationen gesammelt, das heisst es ist wieder Zeit für Musik - als
nächstes: LES CULS IVRES - Un meilleur lendemain... ist natürlich jetzt
on-air-Französischsprechen.. nicht so gut.. aber.. hört mal zu.
(LES CULS IVRES - Un meilleur lendemain)
(delgarma - i hag)
(ÜS-Jingle)
S: Ihr hört das Überwachungsstadl und ihr habt gerade gehört:
das unheimlich cool gemachte Jingle von Wolfgang, der das gestern
irgendwie noch für uns zusammengebastelt hat. Richtig cool - vielen Dank
Wolfgang.
Davor habt ihr gehört "delgarma - i hag" - ich kann das nicht richtig
aussprechen, ich hab' keine Ahnung von Schwedisch. Aber auf jeden Fall
'ne ganz leckere, knusprige Lyoner Band wo die Sängerin sowohl
Französisch als auch Englisch als auch eben Schwedisch singt.
Wir haben noch noch ein paar Veranstaltungsinfos für euch in diesem
Monat und im nächsten Monat, die euch jetzt Henning näherbringen möchte.
Henning: Ja, vielleicht angefangen mit dem Infostand, den wir am 4.
Oktober noch mal machen werden um für die Demo am 11. Oktober in Berlin
gegen Überwachungswahn im Allgemeinen und gegen die
Vorratsdatenspeicherung und das BKA-Gesetz insbesondere [zu werben]. Wir
haben am letzten Samstag [Anm. d. Red.: 20.09.2008] schon einen gemacht.
Ganz lustig mit diesen Kopfkameras, wie man sie gelegentlich auf solchen
Demos gesehen hat, so aus Pappe eine schwarze Kamera. Es macht auf jeden
Fall einen riesen Spaß damit dann durch die Cafés zu laufen und die
Reaktionen abzuwarten. Da lassen sich dann auch mehr Leute davon
überzeugen als in einem einfachen Gespräch, dass Überwachung
schon anstrengend-nervig, gemein sein kann.
S: Cool. Wir haben also am 4. Oktober auf dem Marktplatz den Infostand
zu der Demo, die am 11. Oktober in Berlin stattfindet. Alle Infos dazu
findet ihr entweder auf ccchb.de oder auf
ak-vorrat.de, bzw. vorratsdatenspeicherung.de,
also es gibt eine Menge Adressen wo ihr Infos dazu findet.
Des Weiteren gibt es da die Möglichkeit, Fahrkarten für die Busfahrt von
Bremen nach Berlin zu kaufen. Wenn ihr also Lust habt, mit zu fahren und
mit uns zu demonstrieren gegen die Vorratsdatenspeicherung, gegen die
Ausweitung der BKA-Befugnisse und gegen jede Menge sonstigen
Überwachungsschrott, der gerade aus der Politik so bei uns eintropft,
dann kommt mit.
Kommt entweder am 30.09.2008 zu unserem nächsten regulären Treffen oder
kommt am 04.10.2008 zu unserem Infostand oder fahrt am besten irgendwie
selber oder mit dem Bus am 11.10.2008 zur Demo nach Berlin.
Wir haben mit Dirk-Lüder eine Menge über Google Maps [Anm. d. Red.:
d'ough] und - äh - eigentlich OSM geredet.. Ich hab' jetzt hier grade
Google Maps vor mir stehen gehabt - na gut...
Was kann man abschließend dazu sagen?
(Schweigen)
Weisst du auch nicht..
D: (lacht) Es gibt noch so viel dazu zu sagen, dass ich jetzt nicht weiss, was ich da jetzt abschließend dazu sagen möchte.
(S: Wir haben noch ein bisschen Zeit.)
D: Vielleicht sage ich einfach was dazu, wie die Kartendaten zu Karten
werden. Und warum das so lange dauert.
Also ich habe ja schon gesagt, die Hauptseite wird wöchentlich
geupdatet. Der Renderer ist eigentlich relativ fix aber die Welt ist ein
verdammt großer.. Ort. (Kichern) Und wenn da halt an allen Ecken
und Enden der Welt irgendwas aktualisiert wird, dann möchte man halt
auch die ganze Welt auf dem aktuellen Stand haben.
Die zweite Methode ist ein verteiltes Rendering-Projekt, sowas ähnliches
wie Seti@home sozusagen aber eben nur für diese Karten-Tiles, deswegen
auch ganz sinnvoll Tiles@home genannt. Die Ergebnisse davon
landen alle auf einem zentralen Server, der die Tiles dann auch über
OSM.org abrufbar macht. Da hat man in dem Fenster so ein kleines Plus,
wo man draufklicken kann und dann kann man sich das Layer
aussuchen. Wenn man da auf OsmaRender klickt, das ist dann eben
der alternative Renderer, dann kann man eben seine Edits, die man da
eingepflegt hat, schon innerhalb von wenigen Stunden sehen.
S: Coole Sache. Wir haben noch ne ganze Menge Zeit (lacht) irgendwie.. anderthalb Minuten.
D: Also ich kann natürlich immernoch auffordern: Macht mit, es ist
wirklich einfach. Man braucht nicht unbedingt ein GPS, schon gar nicht
in Bremen. Wie gesagt, es gibt die nette Übereinkunft mit Yahoo. Google
hat zwar Interesse gezeigt aber deren Provider von Satelliten- und
Luftbildern wollten das nicht. Aber Yahoo hat nur einen einzelnen
Provider, die haben das mit dem klar gemacht dass das in Ordnung geht,
davon Karten abzuleiten und dementsprechend..
Bremen ist darin auch ganz gut aufgelöst - nicht so super wie in Google
aber ausreichend für die Arbeit. Und wenn man hier in Bremen oder im
Umland wohnt, kann man also durchaus ma' fix über die Seite wat
einpflegen.
S: Cool. [Anm. d. Red.: VIII]
Also, wir haben heute gelernt: Es gibt den CCC Bremen unter ccchb.de, es gibt das Überwachungsstadl
unter ueberwachungsstadl.de
(bloß nicht falsch schreiben!), es gibt OSM, bei der ihr mitmachen könnt
und wo Kartendaten zur freien Verfügung bereitgestellt werden, die
teilweise eine bessere Auflösung haben als Google und weniger Fehler
hoffentlich.
Dass am 04.10.2008 ein Infostand auf dem Marktplatz ist und am 11.10.08
die Demo in Berlin.
Ich danke euch, dass ihr da gewesen seid - allen voran Dirk-Lüder Kreie,
vielen Dank für deine Expertise . Vielen Dank Jan und Henning,
dass ihr da wart, dass ihr eure Musik mitgebracht habt.
(Schweigen)
Ihr wollt dazu nichts mehr sagen.. OK. Dann danke ich nicht zuletzt
euch, die ihr zugehört habt für das Zuhören und dass ihr.. ja.. euch
diese Sendung wirklich angetan habt.
Sendeverantwortlich war Sebastian Raible, das war das Überwachungsstadl
und zum Abschluss noch etwas thematisch passende Musik.
(Bundestag United - Grundrechtsterror)
(pornophonique - space invader (poccacci rmx))
Schöner Podcast, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu musiklastig. Ich freue mich auf weitere Folgen! :)
Hier eine OpenStreetMap von den bereits erfassten Überwachungskameras (Diese Karte ist sehr unvollständig!).
Schönen Schock!
http://osm.vdska.de/
Gruß
Lulu-Ann